Eine liebgewonnene Tradition der AKS ist es, die Ausstellungen der Wüstenrot Stiftung zu zeigen. So auch den aktuellen 10. Gestaltungspreis zum Thema "Zukunft der Vergangenheit — Die Erneuerung von Gebäuden der Baujahre 1945 bis 1979". Zur Vernissage am 5. September war Architektin Kristin Heurich-Lösch vom — mit einer Auszeichnung prämierten — Architekturbüro Brückner & Brückner als Referentin zu Gast.
Kammerpräsident Professor Heiko Lukas hielt im Grußwort fest, dass die Wüstenrot Stiftung bei ihren Gestaltungspreisen stets aktuelle Themen aufgreife. Wenn über die Bauwerke der Jahre 1945 bis 1979 auch oft kontrovers diskutiert werde, so seien in dieser Zeit doch eine Vielzahl beeindruckender Gebäude entstanden, die auch für die Zukunft bedeutsam seien. Dr. Kristina Hasenpflug von der Wüstenrot Stiftung erläuterte, dass mit dem Thema "Zukunft der Vergangenheit" die "Zeugen des Aufbaus" und die "Zeugnisse der Demokratie" ins Blickfeld gerückt worden seien. Die Erneuerung und Anpassung von Gebäuden der Nachkriegszeit sei eine wichtige und aktuelle Bauaufgabe. Schließlich stellte Kristin Heurich-Lösch für Brückner & Brückner das prämierte Bauvorhaben "Die Erneuerung des Pfarrzentrums Christkönig in Schweinfurt" vor.
Das architektonische Konzept habe darauf abgezielt, den anspruchsvollen gestalterischen Charakter des aus den Sechzigerjahren stammenden Gebäudekomplexes aus Pfarrsaal, Kapelle, Kindergarten, Jugendheim, Schwesternwohnung und Pfarrkirche aufzunehmen und in die heutige Zeit zu transformieren. Die vorab sanierten Bereiche des in die Jahre gekommenen Ensembles seien in das Konzept integriert worden.
Da Christkönig kein Baudenkmal ist, mussten die hinsichtlich Bauphysik und Reinigung problematischen Betonwaben nicht erhalten bleiben. Die neue Fassade, eine Pfosten-Riegel-Konstruktion mit Isolierverglasung, habe durch hofseitig vorgestellte Lärchenholzplanken Struktur und Haltung bekommen. Charakteristika wie die umlaufenden Bänder von Sockelzone und Attika, die Klinkerfassaden sowie die wandhoch verschlossenen Türen und Tore seien beibehalten, das Farbkonzept umgekehrt worden. Fenster- und Türlaibungen wurden durch die neue Tiefe des Wandaufbaus sowie ein umlaufendes dunkles Metallband betont.
Der Pfarrsaal wurde auf Rohbauniveau zurückgebaut und die Raumaufteilung geändert. Für die Gestaltung waren die Betonunterzüge von Bedeutung. Die Raumhöhe wurde zur Geltung gebracht und Lüftungs- und Wärmerückgewinnungstechnik in neue Schotten unter der Decke eingebaut, deren Querschnitt dem der parallelen Betonunterzüge entspricht. Auch das Lichtkonzept wurde von der Lamellenstruktur bestimmt. Dass die Kirche bisher nicht saniert werden konnte, lag am knappen Budget.
Die Ausstellung ergänzte thematisch den diesjährigen Tag des offenen Denkmals und sein Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" und war auch am 8. September geöffnet.


