Nachbericht: Einsatzmöglichkeiten von Photovoltaik für nachhaltiges Bauen

Nachbericht: Einsatzmöglichkeiten von Photovoltaik für nachhaltiges Bauen

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Die Online-Veranstaltung informierte über den Einsatz erneuerbarer Energien, insbesondere die Erzeugung von Solarstrom durch Photovoltaik und Wärme durch Solarthermie in und an Gebäuden

Über 100 Teilnehmende aus Architektur, Politik, von Verbänden, Städten und Gemeinden besuchten das kompakte Online-Seminar. Die Landeskampagne „Energieberatung Saar“ des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie führte die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer des Saarlandes und der Arge Solar im Rahmen der Aktionswoche „Das Saarland voller Energie“ durch. In 4 Fachvorträgen erläuterten die Referent:innen eindrücklich die Bedeutung und Entwicklung von Solarenergie für das nachhaltige, ressourcenschonende und klimafreundliche Bauen.

BIPV – Gebäudeintegrierte Photovoltaik

Fabian Flade vom Solarenergieförderverein Bayern und der Allianz Bauwerkintegrierte Photovoltaik begeisterte aus einem großen europaweiten Fundus an gelungenen und architektonisch anspruchsvollen Projektbeispielen im Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV), bei denen Photovoltaik auf unterschiedliche Weise – additiv oder als wasserführende Schicht – in die Fassade integriert wurde. Solarmodule können Doppelfunktionen übernehmen wie als feststehender Sonnenschutz oder strukturierte Ornamentik-Fassade.
Dabei müsse nicht immer auf Sondermodule zurückgegriffen werden. Mit einer guten Planung ließen sich auch Standardmodule verwenden, zum Beispiel bei denkmalgeschützten Sanierungen. Mittlerweile gibt es farbige Module. Damit könne man rote Ziegeldächer imitieren, die bereits von Denkmalschutzbehörden akzeptiert wurden. Braun- und Terrakotta-Farbtöne hätten immerhin noch eine Wirkung von 70-80 %, erklärte Flade.

Die Installation von PV-Modulen in der Fassade sorgt aufgrund des Sonnenstandes, insbesondere im Winter, für eine gute Eigenstromquote. Der Referent ist sich sicher, dass PV im Dach allein künftig nicht reichen wird, das regele der Gesetzgeber.

Saarländisches Praxisbeispiel

Ein Praxisbeispiel aus dem Saarland stellte das Referententeam Jörg Kühn, kühn Architekten und Markus Jolly, eVERA vor: das Bürogebäude von kühn Architekten in Eppelborn, in dem in den Obergeschossen auch gewohnt wird. Das Gebäude wurde vom Wirtschaftsministerium als Pilotprojekt über das Programm „Energiewende vor Ort“ gefördert und konnte am Vortag live besichtigt werden. Die genutzten Komponenten seien nicht das Besondere, so Jörg Kühn, aber deren Kombination mache die technische Qualität aus. Neben Geothermie nutzt er Photovoltaik-Thermie-Kollektoren (PV-T) für die Sole-Wärmepumpe. Wärme und Strom kommt dabei aus einem einzigen Solar-Element. Es wird Wärme aus der Umgebungsluft gezogen, das sei nachts oder in der Übergangszeit vorteilhaft. Die Wärmepumpe kann entscheiden, ob sie die Energiequelle vom Dach nutzt oder die Erdwärme. In Verbindung mit dem sogenannten Schwarmspeicher-Prinzip (Austausch von selbsterzeugtem Strom in einer Community) wird der Energiebedarf des gesamten Gebäudes gedeckt.

Energiemanagement

Die Welt von morgen werde elektrisch, stellte Dr. Torsten Hager, Hager Group, als Vertreter einer herstellenden Firma seinem Vortrag voran. Alles laufe in einem „Energiemanagement“ zusammen. Lokale Geräte werden so intelligent zusammengeschaltet, dass deren Verbrauch gezielt optimiert werde. Dadurch werde die Autarkie eines Gebäudes gefördert und dessen Energieeffizienz gesteigert. Das könne zum Beispiel eine Gebäudeautomation sein, um die Raumtemperatur zu steuern oder der Einsatz von LEDs. Wichtig ist das gesteuerte Zusammenspiel von allen Komponenten. Um mit einer PV-Anlage einen maximalen
Eigenverbrauch zu erwirtschaften und sich den Überschuss vergüten zu lassen, helfen Energiemanagement-Komplettlösungen mit Speicher und Batterie.

PV follows function

Zum Schluss brachte Eva Hauser vom IZES, Institut für Zukunftsenergiesysteme wissenschaftliche Aspekte mit ein. Das Interreg-Projekt „PV follows function“ experimentiert mit PV-Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel wurden Solarzellen im Innenbereich als Brüstungsgeländer, im Fußboden oder als Straßenbelag getestet. Bei der „Bauintegrierten Solarthermie“ (BIST) können Röhrenkollektoren als Sonnenschutz oder Balkonbrüstungen zum Einsatz kommen. Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Finanzierung von Solarenergie. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei der Hauptfinanzierungsmechanismus mit unterschiedlichen Varianten zu Einspeisevergütungen, sensibilisierte Hauser.

Der Vormittag zeigte: Wir sind im Bereich der Solarenergie wesentlich weiter als die bekannte nachträglich installierte Aufdachlösung!

Die Vorträge zum Download finden Sie hier.

Text: Kim Ahrend


18.04.2023
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Büro- und Wohngebäude von kühn Architekten in Eppelborn; Foto: kühn Architekten

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