IBA Saar-Lor-Lux jetzt!

IBA Saar-Lor-Lux jetzt!

Meldungen, Veranstaltungen

Foto: "Schlafende Zöllner" von Mane Hellenthal und Ulrich Behr,
Installation in Grosbliederstroff, 2007


Gute Nachrichten aus dem kleinsten Flächenland der Republik: Die schlechten Nachrichten sind angekommen! Defizitärer Haushalt, gefährdete Eigenständigkeit im föderalen Verbund, dramatischer demografischer und struktureller Wandel, neue ökologische Herausforderungen, unglückliches Image und schlechte Außendarstellung einhergehend mit einer noch undefinierten Innenwahrnehmung der Saarländer zu ihrer Heimat. Probleme, die schon lange bekannt sind aber nun von der kommenden Regierung, wie auch immer sich diese zusammensetzen mag, gehört worden sind, ernstgenommen werden und hoffentlich zu einem Paradigmenwandel in der Regierungsarbeit bezüglich einer nachhaltigen Landesentwicklung führen.

Ganz so schlimm sind die Perspektiven des Saarlandes nicht, beginnt man erstmal nach Potentialen zu suchen. Eines davon ist nach wie vor die zentrale Lage des kleinsten Flächenlandes der Republik in der europäischen Kernregion Saar-Lor-Lux. Es lässt sich gut leben, hier im Herzen Europas, in der Großregion.

Sollte das Saarland erneut den Versuch wagen, diese ehemalige Grenzregion als großes gemeinsames Potential zu betrachten und Impulse für eine trinationale Entwicklung zur nachhaltigen Zukunftsregion zu geben? Es bedürfte der Besinnung auf gemeinsame Potentiale, die auch oder gerade in der Unterschiedlichkeit der drei Partner liegen könnten. Auf jeden Fall muss eine gemeinsame Strategie geschaffen werden, um die Projekte und das Auftreten nach Innen wie nach Außen einheitlich gestalten und koordinieren zu können.

Es braucht vor allem den Willen der Politik und der Bürger sowie ein geeignetes Instrument, ein gemeinsames Label. ,IBA’ jetzt!

Die Bezeichnung ,Internationale Bau-Ausstellung’ ist irreführend, denn es geht bei einer IBA nicht mehr vordergründig um das Bauen, sondern darum, Projekte koordiniert und transparent evaluiert unter einem Label über einen langfristigen Zeitraum hinweg unabhängig von politischem Tagesgeschäft zu entwickeln.

IBA ist eine Qualifikationsmaschine zur Verbesserung und eine Strategie zur Koordination von Ideen, Vorhaben und Projekten. Zudem ein international anerkanntes Label, das außerordentlich imagefördernd und identitätsstiftend wirkt. Dieses geschützte Labor auf Zeit zur Erforschung des strukturellen und gesellschaftlichen Wandels kann auch als ein urdemokratisches Experiment verstanden werden, das Mut und Begeisterung von allen Beteiligten verlangt. Denn eine IBA befindet sich als ‚intermediäre’ Organisation außerhalb der Planungshierarchie und handelt nach dem Grundsätzen der Partizipation. In der organisatorischen Kernzelle, dem ‚IBA-Büro’, arbeiten Planer und Spezialisten aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales interdisziplinär an der Erforschung und Lösung vorgenannter Fragestellungen mit den Bürgern zusammen.

Das klingt gut und das macht Sinn. Doch angesichts der eingangs erwähnten Haushaltslage muss man die Frage stellen, was das Ganze kostet und wie es sich finanzieren soll. Die Kosten einer IBA setzen sich aus Projekt- und Verwaltungskosten zusammen, sind also im Wesentlichen Sowieso-Kosten der öffentlichen oder privatwirtschaftlichen Landesentwicklung. Denn jedes Vorhaben oder Projekt muss verwaltet und finanziert werden, so auch die IBA-Projekte. Der zusätzliche Verwaltungsaufwand einer IBA kann durch die Besetzung aus bestehenden Strukturen verringert werden. Die Projektkosten werden durch die ‚Qualifikationsmaschine IBA’ unter Umständen geringer, da die Vorhaben transparenter, konsequenter, günstiger und zukunftsfähiger sein werden und präqualifiziert größere Chancen zur Gewinnung zusätzlicher Mittel haben.

Die Themen einer IBA in der Großregion werden durch die anstehenden Veränderungen generiert. Beispielhaft sind zu nennen: Vergangenheit und Zukunft der Energieregion, Tradition und Globalisierung, gemeinsame Grenzen und Identität, die Chancen des demografischen Wandels, Dichte und Zersiedlung, Baukultur, Kultur und Bildung als Standortvorteil, nachhaltiger Tourismus etc...

Derzeit läuft die Prä-IBA-Phase, der erste Schritt in die Öffentlichkeit wird eine Veranstaltung im Mai sein, die von der AKS, der Stiftung Baukultur - Saar, dem BDA Saarland, der HTW des Saarlandes und der Schule für Architektur Saar unterstützt wird. Mediale Begleitung haben SR 2 und SR 3 sowie die SZ angeboten.

Als erstes öffentliches Diskussionsforum ist der ‚Klub-IBA-SaarLorLux‘ auf facebook installiert. Öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen zum Thema sollen folgen. Beteiligt euch!


Prof. Stefan Ochs, Saarbrücken


Am 9. März hat Prof. Ochs das Projekt dem AKS-Vorstand vorgestellt. Dieser unterstützt das Vorhaben, da es aus seiner Sicht wichtige Denkansätze für eine zukunftsfähige Entwicklung der Region bietet.


30.03.2012
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